
VMware war für viele Unternehmen eine verlässliche Grundlage ihrer IT. Seit der Übernahme durch Broadcom geht es bei der nächsten Verlängerung aber oft zuerst um Kosten, Vertragsbedingungen und den Zugang zum bisherigen Partner. Für mich ist das ein massiver Vertrauensverlust.
In diesem Beitrag
Eine gute Plattform. Eine Geschäftspolitik, die Vertrauen kostet.
Mein Problem mit VMware unter Broadcom ist die Richtung, in die das Geschäft getrieben wird. Unternehmen haben über Jahre in Wissen, Infrastruktur und Betriebsprozesse investiert. Wenn sich die wirtschaftlichen Spielregeln danach grundlegend ändern, trifft das besonders diejenigen, die weder große Budgets noch ein eigenes Team für Vertragsverhandlungen haben.
Broadcom stellte das VMware-Portfolio auf Subscription-Angebote um und beendete den Verkauf unbefristeter Lizenzen. Die 2024 erläuterten Foundation-Angebote bündeln Komponenten und nutzen ein verändertes Lizenzmodell. Damit muss bei einer Verlängerung neu gerechnet werden: Welche Funktionen werden tatsächlich gebraucht, welche Pakete angeboten und welche laufenden Kosten entstehen?[1]
Der europäische Cloud-Verband CISPE berichtet von erheblichen Preissteigerungen, gebündelten Produkten und erzwungenen mehrjährigen Subscriptions. Das ist die Position eines Verbands betroffener Anbieter; eine identische Preissteigerung für jeden Kunden lässt sich daraus nicht ableiten. Wie tief ein Unternehmen künftig in die Tasche greifen muss, hängt vom bisherigen Vertrag und dem konkreten Folgeangebot ab.[2]
Meine Haltung dazu ist klar: Wer seine Kunden durch wirtschaftlichen Druck zum Bleiben bewegen muss, verspielt Vertrauen. Gerade ein kleines Unternehmen braucht eine Plattform, deren Kosten und Weiterentwicklung zum eigenen Betrieb passen.
Auch die Beschaffung wird zum Problem.
Eine teurere Lizenz ist schon ärgerlich genug. Wenn das Angebot dazu verspätet kommt, wird daraus ein Planungsproblem. CRN berichtete 2024 im Zusammenhang mit dem Rückzug von Ingram Micro über Wartezeiten von vier Wochen auf Angebote. Das ist ein dokumentierter Bericht aus dem Channel, keine pauschale Aussage über heutige Bearbeitungszeiten.[3]
Für ein IT-Team mit auslaufenden Verträgen bedeutet eine solche Verzögerung: weniger Zeit zum Vergleichen, weniger Spielraum für Entscheidungen und zusätzlicher Druck auf eine mögliche Migration. Die Beschaffung wird damit selbst zu einem Projektrisiko.
Hinzu kommen Einschnitte im Partnernetz. The Register berichtete im Juni 2025, dass Broadcom die unterste Reseller-Stufe „Registered“ in Amerika sowie im asiatisch-pazifischen Raum einschließlich Japan streicht. Europa war von dieser damaligen Ankündigung ausdrücklich ausgenommen. Broadcom begründete dies gegenüber dem Medium damit, dass die große Mehrheit dieser Partner inaktiv sei und nicht die benötigten Fähigkeiten mitbringe. Für betroffene kleinere Anbieter fällt damit dennoch ein bisheriger Vertriebsweg weg.[4]
Beim Cloud-Partnerprogramm kam eine weitere Entwicklung dazu: CISPE berichtete im März 2026 über die im Januar angekündigte Beendigung des bisherigen Programms in Europa und den Ausschluss eines großen Teils der europäischen Cloud-Anbieter. Der Verband hat dazu eine Wettbewerbsbeschwerde eingereicht. Seine rechtlichen Vorwürfe sind damit noch keine festgestellten Rechtsverstöße.[5]
Reseller und Cloud-Provider sind unterschiedliche Partnergruppen. Für Kunden bleibt aber dieselbe praktische Frage: Kann mein vertrauter Ansprechpartner mich weiterhin versorgen? Wenn die Antwort unsicher wird, geht es längst um mehr als den Preis einer Lizenz.
Proxmox ist mehr als die günstigere Ausweichlösung.
Proxmox Server Solutions sitzt in Wien, Österreich. Hinter Proxmox VE steht damit ein europäischer Hersteller. Das ist für mich ein Pluspunkt bei der Wahl eines langfristigen Technologiepartners. Der Firmensitz allein beantwortet allerdings noch keine Frage nach dem Speicherort deiner Daten: Den bestimmst du mit deiner Infrastruktur.[6]
Besonders überzeugend finde ich die Trennung von Software und Service. Proxmox VE ist unter der AGPLv3 quelloffen und ohne Lizenzkosten mit vollständigem Funktionsumfang nutzbar. Funktionen werden nicht erst durch den Kauf einer höheren Edition freigeschaltet.[7]
Die kostenpflichtigen Subscriptions werden pro belegtem physischen CPU-Sockel und Jahr berechnet, nicht pro CPU-Kern. Sie bieten Zugang zum Enterprise Repository; die Supportleistungen hängen vom gewählten Plan ab. Community enthält keinen Ticket-Support des Herstellers. Für einen Cluster müssen die Sockel aller Hosts berücksichtigt werden.[8]
Wichtig für den Produktivbetrieb: Ohne Subscription lässt sich das No-Subscription-Repository nutzen. Dessen Pakete sind laut Proxmox nicht immer so intensiv getestet und validiert; der Hersteller empfiehlt es deshalb nicht für Produktivserver. Das ist keine automatische Registrierung als Betatester: Für experimentelle Pakete gibt es ein separates Test-Repository. Updates werden durch die fehlende Subscription auch nicht automatisch installiert. Zugang zum für den Produktivbetrieb empfohlenen Enterprise Repository erhältst du bereits mit der bezahlten Community-Subscription – auch ohne Ticket-Support.[11]
Das halte ich für ein faireres, nachvollziehbares Modell: Ich kann die Plattform vollständig prüfen und anschließend den passenden Service einkaufen. Trotzdem gehört in einen seriösen Vergleich mehr als die Subscription. Hardware, Backup, Migration, Schulung und laufender Betrieb kosten ebenfalls Geld.
ESXi einbinden. VM auswählen. Import vorbereiten.
Proxmox hat den Wechsel technisch erleichtert. Der seit 2024 integrierte Import Wizard nutzt das Storage-Plugin-System und ist direkt in die Weboberfläche eingebunden. Mit Proxmox VE 8.2 wurde er Teil einer regulären Veröffentlichung. Das ist eine konkrete Weiterentwicklung, die viele manuelle Zwischenschritte erspart.[9]
Der Ablauf lässt sich vereinfacht so beschreiben:
- ESXi als Quelle hinzufügen. Unter Datacenter → Storage → Add → ESXi werden Host und Zugangsdaten hinterlegt.
- Die virtuelle Maschine auswählen. In der Importquelle wird die gewünschte VM gewählt und der Importdialog geöffnet.
- Das Ziel zuordnen. Ziel-Storage, Netzwerk-Bridges und virtuelle Hardware werden geprüft und passend konfiguriert.
- Importieren und testen. Die Daten werden auf die Zielplattform übertragen; anschließend folgen technische und fachliche Prüfungen.
Der ESXi-Eintrag dient dabei als Importquelle. Das bestehende VMware-Datastore wird dadurch nicht automatisch zum produktiven Proxmox-Speicher. Die Zielarchitektur muss weiterhin geplant werden.[10]
Auch die Option „Live-Import“ verdient eine klare Erklärung: Die VM kann auf Proxmox bereits starten, während ihre Daten noch kopiert werden. Sie läuft dabei nicht einfach unterbrechungsfrei auf ESXi weiter. Ein Abschalt- und Umschaltfenster bleibt einzuplanen. In der Dokumentation sind außerdem Einschränkungen genannt, etwa beim Transfer des VMware-vTPM-Zustands. Bei verschlüsselten Gästen müssen deshalb Schlüssel und Wiederherstellungswege vorab geklärt werden.[10]
Der Import ist einfacher. Das Projekt braucht weiterhin einen Plan.
Ein Assistent reduziert die technische Arbeit. Ob der Betrieb nach dem Wechsel zuverlässig funktioniert, entscheidet sich aber an den Abhängigkeiten: Storage, VLANs, Firewall-Regeln, Anwendungen, Backup und Zuständigkeiten müssen zusammenpassen.
Ich würde deshalb mit einer Bestandsaufnahme und einer repräsentativen Testmigration beginnen. Eine kleine Test-VM zeigt den grundsätzlichen Ablauf; ein anspruchsvollerer Gast zeigt, ob Treiber, Anwendungen und Leistungsanforderungen im Ziel funktionieren. Bei Windows-Gästen gehören insbesondere Storage- und Netzwerktreiber sowie die geplante VirtIO-Konfiguration in die Prüfung.
Danach werden die Systeme in abgestimmten Wellen umgestellt. Für jede Welle braucht es ein Wartungsfenster, einen geprüften Sicherungsstand, Verantwortliche für die Abnahme und eine Rückfallentscheidung. Sobald auf der neuen VM produktiv geschrieben wird, darf die alte VM nicht unüberlegt wieder aktiviert werden: Die Datenstände können bereits auseinanderlaufen.
Die Migration endet mit getesteten Backups, aktualisierter Dokumentation und einer sauberen Übergabe an die Menschen, die den Betrieb übernehmen. Genau hier greifen technische Umsetzung und Projektmanagement ineinander. Warum ein grüner Backup-Job allein noch keine belastbare Absicherung ist, beschreibe ich ausführlicher in meinem Beitrag „Warum ein Backup noch lange keine Backup-Strategie ist“.
Meine Einschätzung
Broadcoms Kurs ist für mich ein guter Grund, die bisherige VMware-Strategie ernsthaft zu hinterfragen. Proxmox ist dabei eine starke Alternative: europäischer Hersteller, offene Software und ein nachvollziehbares Subscription-Modell. Der integrierte ESXi-Import macht den Einstieg deutlich leichter.
Die Entscheidung sollte auf deiner Umgebung beruhen. Wenn Funktionen, Betriebskonzept und Gesamtkosten passen, lässt sich aus dem Ärger über Broadcom ein geplanter Wechsel machen – mit einer IT, über deren nächsten Schritt du wieder selbst entscheiden kannst.
Quellen und Einordnung
Stand der Recherche: 1. Oktober 2026. Herstellerdokumentation für Technik und Lizenzmodell; Channel-Berichte für Beschaffung und Reseller. CISPE vertritt betroffene Cloud-Anbieter, seine Aussagen sind entsprechend zugeordnet. Angebote und Import-Kompatibilität sind vor einem konkreten Projekt erneut zu prüfen.
- VMware / Broadcom: Ende unbefristeter Lizenzen, Januar 2024
- CISPE: Kritik an Kosten und Vertragsbedingungen, Dezember 2025
- CRN: Distribution und Wartezeiten auf Angebote, 2024
- The Register: Wegfall der Registered-Partnerstufe, Juni 2025
- CISPE: Beschwerde zum europäischen Cloud-Partnerprogramm, März 2026
- Proxmox: Unternehmenssitz Wien, Österreich
- Proxmox: Open Source und Funktionsumfang
- Proxmox: Subscriptions, CPU-Sockel und Support
- Proxmox VE 8.2: integrierter Import Wizard, April 2024
- Proxmox: Migrationsdokumentation und Import-Grenzen
- Proxmox: Enterprise-, No-Subscription- und Test-Repositories